Ich und die Morgendämmerung

Als ich in der Nähe des Meeres lebte, war mein Lieblingsplatz unter den Felsen nur einen kurzen Spaziergang vom Haus entfernt. Oft ging ich dorthin, wenn ich den Hund ausführte. Der Hund war jedoch nicht besonders begeistert davon, einfach stillzusitzen und nachzudenken. Viel lieber wollte sie Rehe jagen, wenn sie die Chance dazu bekam. Aber das durfte sie nicht, also zog sie mich stattdessen zu flotten Spaziergängen mit. Wenn es mir möglich war, setzte ich mich im Windschatten der Felsen, beobachtete die Vögel, Boote und Wellen. Ich liebe es, den Wind und die Sonne auf meinen Wangen zu spüren. Ich ging dorthin bei jedem Wetter, außer bei Schneestürmen. Ich hoffe, jeder findet irgendwann im Leben einen solchen Ort. Einen Ort, der nichts nimmt, sondern alles gibt. Es macht mich ein wenig traurig, dass ich nicht dorthin zurückkehren kann, zu meinem Felsen. Aber gleichzeitig bin ich so glücklich und dankbar für all die Male, die ich dort war. An dem Ort, an dem ich jetzt lebe, gibt es keinen solchen Platz für mich. Aber es gibt andere Orte, die ich mag. In der letzten Nacht im Haus am Meer habe ich überhaupt nicht gut geschlafen. Ich wälzte mich im Bett hin und her. So früh am Morgen, noch bevor die Sonne aufgegangen war, zog ich mich an und ging zu meinem Felsen. Ich hatte keine ausreichend warme Jacke angezogen, also fror ich ein wenig. Aber dort zu sitzen und den Sonnenaufgang über dem Meer zu beobachten, erfüllte mich mit Wärme. Die Sonne kam mit solcher Kraft und einem solchen Licht, das meine ganze Seele erfüllte. Tränen begannen meine Wangen hinunterzufließen. Ich saß dort lange. Still und bewundernd. Dann klingelte das Telefon, und sie sagten, wir sollten etwas frühstücken, bevor wir den Umzugswagen packten. Das Leben ging weiter. Aber ich werde meinen Felsen und diesen Sonnenaufgang immer in Erinnerung behalten.